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Die Buechweid in Zeiten von Corona

Corona erwischte uns kalt. Von einem Tag auf den anderen musste eine grosse Institution umdenken, sich neu organisieren und Wege finden, Kindern Schutz und RĂĽckhalt zu bieten unter BerĂĽcksichtigung aller Vorgaben des BAG.

Wir fanden uns plötzlich in einer Situation wieder, die uns alle vor völlig neue Aufgaben stellte. Die Schule durfte nicht mehr genutzt werden, die Kinder waren dennoch vor Ort.
Unsere Schüler lebten weiter in ihren Wohngruppen und das gesamte Lehrpersonal wurde diesen Wohngruppen zugeteilt, sodass wir Erwachsenen der Klasse Wega plötzlich zu den „Schwalben“ gehörten. Zwei Wega-Schüler bewohnen das Schwalbenhaus. Unsere anderen Schüler und Schülerinnen waren teilweise nach Hause abgereist oder lebten in einer anderen Wohngruppe. So wie wir plötzlich Kinder zu beschulen hatten, die zuvor in anderen Klassen gewesen waren, so waren unsere „Wegas“ plötzlich in der Obhut anderer.
Es begann eine Zeit, in der wir zum einen die täglichen Arbeiten der Kinder, die in der Buechweid verblieben waren, die wir aber nicht mehr direkt erreichten, vorbereiteten und mit kleinen Briefen und Grüssen versehen an diese täglich den zuständigen Erwachsenen weitergaben. Auch an die Kinder im Homeschooling musste gedacht werden, denen wir ebenfalls Briefe und Pakete schnürten und sie telefonisch betreuten.

Bei den Schwalben, wie auch in allen anderen Wohnhäusern der Buechweid, begann nun eine ganz besondere Zeit. Wenn wir morgens zu zweit bepackt mit Büchern, Stiften und vielem anderen das Haus betraten, so warteten die Schwalbenkinder bereits im Wohnzimmer auf der Couch. Nach einer Morgenrunde begann der „Schultag“ am Esstisch in der Wohnküche.

Zunächst mussten wir lernen, was wir alles nicht durften. Die Kinder sollten in der Wohngruppe bleiben. Der Kontakt zu anderen war untersagt. Wir durften uns gemeinsam mit den Kindern auf dem Gelände bewegen, mussten jedoch stets darum bemüht sein, die Gruppe beisammen zu halten und von allem anderen Abstand zu halten. Hygiene wurde nun wirklich wichtig. Unser Waschbecken im Eingangsbereich wurde ein bedeutungsvoller Begleiter durch den Tag.

Das war jetzt also unser Aktionsradius: Das Wohnzimmer mit Küche, die Terrasse und der Garten, sowie kurze Wege auf dem Gelände. Was zunächst wie eine Einschränkung aussah, kristallisierte sich schnell als Segen heraus. In dieser kleinen Welt konnten wir gemeinsam mit den Kindern in aller Ruhe Lernrückstände bearbeiten. Uns tat sich in der Begrenzung eine Welt an Möglichkeiten auf. Um uns herum erwachte die Natur aus ihrem Winterschlaf. Der Frühling zog ein und mit ihm kamen Blumen, Insekten und Sonnenschein. Die Krähen hatten ein Gelege und versuchten ihre Kinder vor den Rotmilanen zu schützen. Immer wieder kamen diese in Kreisen segelnd dem Nest gefährlich nahe. Mutig und voller Energie flogen die Kräheneltern dazwischen, störten den Segelflug und brachten die viel grösseren Milane aus ihrem eleganten Rhythmus. Diese mussten dann erst flatternd und trudelnd dafür sorgen, dass sie wieder an Höhe gewannen. Wir konnten uns zurücklehnen, die Feldstecher nehmen und diesem Naturschauspiel zusehen.

Auch bot der Garten viel Platz für lustige Wurfübungen. Die Kinder hatten im angrenzenden Wald einige Stöcke gesammelt und bauten gemeinsam mit ihren Betreuern in der Nachmittagszeit Pfeilbogen. Diese zeigten sie uns voller Stolz. So manche Pause verbrachten wir im Garten damit, die Pfeile auf die Reise zu schicken und später wieder einzusammeln.


Während dieser Zeit wurden die Kinder sensibel für das, was direkt um sie herum war. Sie begannen sich immer wieder mit Becherlupen bewaffnet auf den Weg zu machen und im Garten an den Sträuchern Insekten einzusammeln. Diese wurden dann mit viel Geduld genau abgezeichnet oder fotografiert. Auch Wiesenblumen und Gräser wurden festgehalten. So entstanden eine Reihe schöner Bilder. Sie verraten uns den Blick des jeweiligen Kindes auf die Welt und lassen ein wenig von der Freude und der Konzentration erahnen, die den Prozess begleitet haben. Bilder und Zeichnungen sind nicht zufällig entstanden, sie waren Entscheidungen und eine konkrete Auseinandersetzung mit der Umwelt. Alles darauf Festgehaltene war zum Zeitpunkt des Entstehens wichtig für das jeweilige Kind. Der grosse Ernst, mit dem die Kinder ihre Arbeit taten und der sich daraus völlig natürlich entwickelnde respektvolle Umgang mit der Natur liess uns Erwachsene immer wieder staunen. Kein Insekt nahm Schaden. Jeder Käfer und jede Hummel wurde vorsichtig eingefangen, betrachtet, genau gezeichnet und dann ebenso behutsam wieder in die Freiheit entlassen.

Dieser Respekt vor dem Leben und der Natur, der vorsichtige und forschende Umgang mit der Umgebung sowie das Interesse am Mikrokosmos ist uns geblieben. Als wir wieder im Klassenverband unterrichten konnten, brachten die Schwalbenkinder diese Erfahrungen mit ein und rissen die anderen mit. Wir begannen zu mikroskopieren und konnten noch viel winzigere Zusammenhänge entdecken. Auch die Klassenmitglieder der anderen Wohngruppen machten ganz eigene Erfahrungen, von denen wir nun als Klasse profitieren können. So sind wir am Ende reich geworden an Erlebnissen und enger verknüpft mit den Wohngruppen. Diese Zeit des Rückzugs und Abstands war auch eine Zeit des Zusammenhalts und des gemeinsamen Wachstums; im Grossen wie im Kleinen.

Klasse Wega

 

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Kunstprojekt der Klasse Saturn
Dezember/Januar 2019/20

Die Klasse Saturn hat sich auf ein spannendes Kunstprojekt mit dem Thema «Papierobjekte» beim Fachmann Fridolin Gähwiler in St.Gallen eingelassen. In seinem privaten Atelier zeigte uns der versierte und sehr geduldige Fachmann die verschiedensten Falttechniken, mit denen man geometrische Körper aus Papier und Halbkarton herstellen kann. Trotz anfänglicher Skepsis machten alle Schüler von Anfang an mit und kamen recht schnell zu sichtbaren und befriedigenden Ergebnissen, was sie ermutigte weiterzumachen und sogar kompliziertere Modelle anzugehen. Kommentare der Schüler: …. «beeindruckend» … «spannend» …. «was man so alles aus Papier machen kann»…!  Als die drei Projektwochen bzw. drei Freitage vorüber waren, wollten einige sogar noch weitermachen! Auch die schmackhaften Suppen zum Mittagessen mit den währschaften Beilagen und dem leckeren Dessert werden in dankbarer Erinnerung bleiben!

 

 

 



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