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Abschied – ein notwendiges Übel

Unsere Kinder und Jugendlichen sind immer wieder mit dem Thema Abschiednehmen konfrontiert: Kolleginnen und Kollegen verlassen die Buechweid in Richtung Ausbildung, sich an den Wochenenden im Elternhaus verabschieden und den Weg in Richtung Buechweid antreten oder aber Mitarbeitende aus Schule oder dem Wohnbereich treten aus.

Wie für viele andere ist das Thema auch für die Kids der Buechweid nicht leicht. Es sind Gefühle von Trauer, Ohnmacht und Wut, die beschäftigen und weiss Gott nicht angenehm sind.

Auf der Wohngruppe haben all diese Gefühle, Stimmungen und ihre sichtbaren Ausprägungen Platz. Wir setzen uns mit den Kids zum Thema Abschied auseinander und begleiten sie im Prozess des Loslassens. Aber auch die Bewohnerinnen und Bewohner untereinander begleiten sie darin. Auch in solchen Situationen erleben sie Selbstwirksamkeit: wenn sie andere trösten und wenn sie feststellen, dass die unangenehmen, schmerzhaften Gefühle mit der Zeit nachlassen.

Oftmals sind es solche Situationen und Zeiten, in denen der Zusammenhalt auf der Wohngruppe am intensivsten zu spüren ist. Die Gruppe kann die eigene Familie nicht ersetzen und doch soll sie ein Ort sein, an welchem sich die Kids geborgen und sicher fühlen dürfen. Ein Ort, an welchem sie so akzeptiert und gemocht werden, wie sie sind – diese Atmosphäre ist es auch, die das Arbeiten in der Buechweid erfüllend und schön macht.

Genau dann ist das spürbar. Es gibt dem Slogan: «Wärme, Wachstum, Wege» einen Bedeutungszusammenhang. Wir verstehen uns als Gemeinschaft von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Ach ja! Die Fotos sind während eines Ausfluges entstanden, an welchem eine Mitarbeiterin verabschiedet wurde. Es war ein Nachmittag und Abend, an dem ganz viele unterschiedliche Gefühle und Stimmungen neben- und miteinander herrschten. Es flossen Tränen, aber in erster Linie wurde viel gelacht – genauso wie dies eigentlich fast immer der Fall ist, wenn die Fischreiher unterwegs sind!!

Ralph Tribelhorn,

Sozialpädagoge WG Fischreiher

 

 

Wurzeln/Roots auf der Gruppe Specht

Auf der Gruppe Specht leben 8 verschiedene Bewohner unterschiedlicher Herkunft. Die Welt mit ihrer multikulturellen Vielfalt bildet sich auch bei uns auf der Gruppe ab. Die Bewohner kommen aus der Schweiz, Deutschland, der Türkei, Äthiopien, Eritrea, der Dominikanischen Republik sowie aus Kanada. 5 Bewohner der Gruppe Specht kommen aus anderen Ländern als die Schweiz. Dies zeigt, dass die globale Welt bei uns auf der Gruppe Specht längst Alltagsrealität ist und gelebt wird.

 

Im gemeinsamen Zusammenleben auf der Gruppe ist das Augenfälligste an dieser multikulturellen Vielfalt das Essen. Selbstverständlich ist dann das Essen aus dem eigenen Land das Beste und auch das naheliegende. Manchmal haben wir das Glück, dass eine Mutter oder ein Vater eines Bewohners uns die Küche aus ihrem Heimatland vor Ort geniessen lässt. Zum jetzigen Zeitpunkt von Corona ist dies leider nicht möglich. Daran werden wir aber hoffentlich bald wieder anknüpfen können.

Zu Corona Zeiten scheinen die eigenen Wurzeln besonders wichtig zu sein. Dabei dürfen wir als Mitarbeiter der Gruppe uns mit den Bewohnern auch über ihre Herkunft, ihre Eltern – ihre Wurzeln unterhalten. Dies wollen die Bewohner meist in Einzelgesprächen, in ruhigen Momenten und nicht in der Gruppe austauschen. Es handelt sich hier um wertvolle Gespräche, die das Vertrauen und das Verständnis stärken.

Die Themen Fremdheit, die Hautfarbe, der Glaube, die unterschiedliche Herkunft sind manchmal natürlich auch gegenwärtig im Gruppenalltag und stehen im Wechselspiel mit der Auseinandersetzung jedes Bewohners mit den eigenen Wurzeln. Dies ist für die Bewohner wie auch für uns Mitarbeiter eine herausforderungsvolle, interessante und manchmal auch spannungsgeladene Arbeit. Die Lebensprägungen der Bewohner bis zur Ankunft in der Stiftung Buechweid sind sehr unterschiedlich – von der Flucht aus einem Kriegsgebiet mit mehrmonatigem Fluchtweg bis hin zu starken Wurzeln in der Schweiz seit Geburt. Es ist faszinierend zu erleben, wie mit klarer Führung, Wohlwollen, Auseinandersetzung, Vorleben als Vorbild, Professionalität und Kreativität ein solches Zusammenleben in einer Gruppe positiv, stark und farbenreich sein kann. Die Graffittikunst eignet sich gut, um unterschiedliche Kulturen und Wurzeln zusammen zu bringen. Das untenstehende Werk wurde in gemeinsamer Arbeit mit den Bewohnern der Gruppe Specht geschaffen. An einer Gruppensitzung haben sich die Bewohner interessanterweise für das Wort «Roots» für dieses Bild und für das Motto der Gruppe Specht für das Jahr 2021 entschieden. Diese Entscheidung fiel ganz im Einklang mit dem Bedürfnis der Bewohner, ihre eigenen Wurzeln zu stärken. Uns als Mitarbeiter obliegt die schöne Aufgabe, die Wurzeln der Bewohner zu stärken.

 

Daniel Boss

Wohngruppe Specht

 

 



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